Luxemburg 2017

Quer durch die Ardennen

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In Weiswampach hingegen muss ein abstraktes Denkmal genügen, um an 13 junge Briten zu erinnern, die hier am 12. August 1944 beim Abschuss zweier Lancester-Bomber ihr Leben verloren. Vor dem mittelalterlichen Schloss in Clervaux, dem Ziel unserer heutigen Reise, ziehen dann wieder ein Sherman und eine deutsche 8,8-Zentimeter-Pak die Blicke auf sich. Das Schloss hatte die Wehrmacht am 18. Dezember 1944 beschossen, woraufhin es ausbrannte. Kaum verwunderlich, dass es ein weiteres Museum zur Ardennenoffensive beherbergt.

Am nächsten Morgen geht es 25 Kilometer westwärts nach Belgien. Wir nehmen dieselbe Straße, auf der vor über 72 Jahren deutsche Verbände vorgestoßen waren – Richtung Bastogne, schon damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Als die Wehrmacht, darunter die 26. Volksgrenadierdivision und die 2. Panzerdivision, Bastogne einkesselte, saßen die US-Soldaten der dort liegenden 101st Airborne Division in der Falle. Deren Befehlshaber, General Anthony C. McAuliffe, beantwortete eine deutschen Aufforderung zur Übergabe mit einem knappen „Nuts“ („Quatsch“) und erwarb sich damit bleibenden Ruhm. Abgespielt hat sich die Szene in den Bastogne Barracks, einer ehemaligen Kaserne, die zum Pflichtprogramm gerade der amerikanischen Besucher zählt. Sie dürften begeistert sein, wenn Roland Gaul in McAuliffes rekonstruiertem Dienstzimmer betont, dass dort „Weltgeschichte“ geschrieben wurde.

 
Eine lautstarke Attraktion

Neben den einstigen Unterkünften der GIs und einer weiteren Weltkriegs-Ausstellung umfassen die Barracks eine riesige Fahrzeughalle (mit angeschlossener Restaurationswerkstatt), in der Dutzende alliierte Panzer, Lkw und Geschütze aufgereiht sind. Dazwischen finden auch einige deutsche Fabrikate ihren Platz, vom Kübelwagen über ein Sturmgeschütz III bis zum Panzer IV.

Nicht ganz so geräumig, aber nicht minder eindrucksvoll ist das zweite wichtige Kriegsmuseum der Stadt. Das „101st Airborne Museum“ ist ganz auf diesen legendären Verband zugeschnitten und hat neben den obligatorischen Dioramen eine besonders eindrucksvolle Attraktion zu bieten: In einem abgedunkelten Kellerraum kann man (akustisch) einen deutschen Luftangriff „miterleben“ und während der ohrenbetäubende Lärm von Detonationen und Flakfeuer durch Mark und Bein geht, zittert bedrohlich die Lampe an der Decke.

Aus Sicht der Belgier steht Bastogne symbolisch für die Befreiung des Landes durch die US-Armee und so hat man 1950 auch das zentrale Kriegsdenkmal vor den Toren der Stadt errichtet. Das zwölf Meter hohe, begehbare „Mardasson Memorial“ ist vom Grundriss her als fünfzackiger Stern erbaut und trägt Inschriften aller US-Divisionen, die in der Ardennenschlacht kämpften. 


 
Souvenire vom Waldboden

Viele Amerikaner verengen das aber mittlerweile auf eine ganz bestimmte Einheit: die sogenannte Easy Company, 2. Batallion, 506th Parachute Infantry Regiment der 101st Airborne Division. Ihre Geschichte wurde 2001 in der überaus erfolgreichen US-Miniserie Band of Brothers erzählt und seither pilgern unzählige Geschichtsfans auf Spurensuche nach Bastogne.
Nicht alle „Bulge“-Veteranen sind darüber glücklich. „Viele sind von diesem Rummel um das 506. Fallschirmjäger-Regiment regelrecht genervt“, verrät uns Roland Gaul an einem kleinen Denkmal, das speziell die Männer der „E“-Company feiert. „Die fragen dann: ,Was ist mit uns? Wir haben hier genauso gekämpft.’“

Es gehört zu den Vorzügen einer geführten Tour, dass man solche Hintergründe aus erster Hand erfährt. Zum Beispiel, dass nebenan im Wald von Bois Jacques, wo die „E“-Company im Dezember 1944 einer deutschen Übermacht standhielt, nun zuweilen Amerikaner zwischen den noch vorhandenen Schützenlöchern herumkriechen und Tannennadeln in Plastikflaschen stopfen – als „blutgetränktes“ Souvenir für daheim.  
Zurück in Luxemburg, führt der letzte Abstecher nach Wiltz, wo Ende 1944 schwerste Kämpfe tobten, besonders um die Straßenkreuzung „Schuhmanns Eck“. Das dort gelegene gleichnamige Cafe wurde dabei total zerstört. Heute, wieder aufgebaut, ist es ein bevorzugter Anlaufpunkt für US-Touristen, auf die man sich längst eingestellt hat, auch kulinarisch. Auf der Karte stehen riesige Schnitzel, die wir uns gern schmecken lassen. Dann ist die dreitägige Tour zu Ende. Sie hat Lust auf mehr gemacht: Anders als 1944/45 kann man heute in Luxemburg auch als Deutscher nur noch gewinnen.

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