Luxemburg 2017

Quer durch die Ardennen

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Am nächsten Tag fahren wir in den Norden des Landes. Im Grenzort Wallendorferbrück überqueren wir das Flüsschen Sauer, auf der deutschen Seite (Wallendorf) wartet der erste Bunker auf uns: Der kleine MG-Bunker (ein „C-Werk“ nach damaliger Klassifizierung) gehörte zur vordersten Linie des Westwalls. In den ruhigen Wochen vor der Ardennenoffensive wurde von hier aus die gegnerische Anhöhe beobachtet, auf der Teile des 109. US-Infanterie-Regiments lagen.  Im Februar 1945 leistete er den vorrückenden US-Truppen dann nur kurzen Widerstand. 
Der nächste Bunker (ein „B-Werk“) liegt am Ortsrand von Gentingen. 1940 war er mit einer 3,7-Zentimeter-Pak bestückt, doch die Waffenentwicklung schritt rasant voran und als man ihn 1944 reaktivieren wollte passte die mittlerweile zum Standard gewordene 7,5-Zentimeter-Pak nicht hinein. Er diente dann nur als beschusssicherer Unterstand für deutsche Spähpatrouillen. Nach Kriegsende verpasste man ihm eine Hohlladung, doch die gewaltigen Mauern hielten der Sprengung stand. Verwüstet ist er trotzdem.
 
Authentische Orte

„Die Amerikaner sind ganz verrückt nach Bunkern, aber leider sind hier kaum noch welche vorhanden“ erzählt Roland Gaul, der uns für den Rest der Tour als „Guide“ zur Verfügung steht. Der gebürtige Luxemburger hat sich mit seinem kleinen Unternehmen auf Führungen zum Thema Zweiter Weltkrieg spezialisiert und begleitet überwiegend Besuchergruppen aus Übersee durchs Land. Er kennt sich in der Materie aus, 1984 hat er das „Nationale Militärmuseum“ im Ort Diekirch aus der Taufe gehoben, wo sich (fast) alles um die Ardennenschlacht dreht.

Bevor wir seine ehemalige Arbeitsstätte besuchen fahren wir in den Dörfern Moestroff und Bettendorf vorbei. Hier sind manche Ecken unverändert geblieben. „Das fasziniert unsere Gäste immer ganz besonders“, strahlt Gaul, „wir können ihnen exakt die Orte zeigen, die sie von historischen Fotos kennen.“ Dann hält er eine großformatige Kopie hoch, auf der Soldaten der 5th U.S. Infantry Division im Januar 1945 durch eine Straße auf den Betrachter zukommen – und hinter ihm sind dieselben Gebäude im Jahr 2017 zu sehen. Genau hier muss damals der Fotograf gestanden haben ...
 


Drachenzähne und Dioramen

Nun aber zum Museum in Diekirch. Vor dem Gebäude stehen US-Haubitzen, Granaten und Panzer, darunter ein Sherman hinter originalen „Drachenzähnen“ vom Westwall. Vor Jahren war ein reicher Amerikaner vom Anblick der deutschen Verteidigungslinie derart begeistert, dass er unbedingt einige dieser Panzersperren kaufen wollte. Gaul vermittelte erfolgreich den Deal mit deutschen Behörden – und bekam dafür zum Dank vom Käufer eine paar Betonhöcker für das Museum geschenkt. Glück muss man eben haben.



Hinter den Glastüren werden wir endgültig in die Jahreswende 1944/45 katapultiert. Vitrinen voller Waffen, Uniformen, Ausrüstungsgegenständen beider Kriegsparteien, an den Wänden Fotos und Dokumente und dazwischen lebensechte Dioramen, die Kampfszenen von der Front zeigen oder ruhige Momente in Gefechtspausen. Da lädt ein deutscher Mörsertrupp sein Geschütz und nebenan ziehen GIs einen Truthahn aus dem Ofen, den ihre Regierung zu „Thanksgiving“ 1944 an die Truppe geliefert hatte – um die Moral zu heben. Im hinteren Gebäudeflügel wartet dann noch eine große Halle, hauptsächlich mit Fahrzeugen gefüllt. Die deutsche Ecke hat unter anderem ein SdKfz 251 und einen „Hetzer“ zu bieten, wiederum mit lebensechten Puppen bemannt.
Überhaupt trifft man in der damaligen Kampfregion vielerorts auf schweres Gerät. So steht neben der General-Patton-Statue in Ettelbrück (das Pattons 3. Armee am Weihnachtstag 1944 erreichte) ein weiterer Sherman, während das U.S. Memorial in Heinerscheid von einer 105-Millimeter-Haubitze M2A1 und einer deutschen 8,8-Zentimeter-Pak 43 flankiert wird.
 

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