Luxemburg 2017

Quer durch die Ardennen

Die Spuren der Ardennenschlacht sind in Luxemburg allgegenwärtig. Wer sehen will, wo die Wehrmacht 1944/45 kämpfte, kann eine geführte Themenreise buchen. Unser Autor Milan Kroll hat sich einer solchen Gruppe angeschlossen.

Von Milan Kroll

 
Luxemburg 2017: Quer durch die Ardennen © Milan Kroll


Vor dem Eingang zum Friedhof verteilen Veteranen der US-Armee kleine Mohnblumen aus Stoff. „Trage sie mit Stolz“ steht darauf geschrieben. Wir, eine kleine Reisegruppe aus sieben Leuten, nesteln uns die Blumen an Hemd oder Bluse und werden somit auch optisch Teil der Trauer- und Gedenkgemeinde, die sich an diesem 27. Mai 2017 auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof bei Hamm, Luxemburg, einfindet. Hier liegen mehr als 5.000 Gefallene des Zweiten Weltkriegs begraben.

Über ihnen wehen heute die Nationalflaggen Luxemburgs und der Vereinigten Staaten auf Halbmast – zumindest bis zum Ende der Feierstunde. Es ist „Memorial Day“, die amerikanischen Streitkräfte gedenken ihrer Toten. Wenn man so will der passende Auftakt für eine geführte Tour zu Stätten der Ardennenschlacht, die um die Jahreswende 1944/45 in dieser Region tobte.
 
Touristenmagnet Luxemburg

Das kleine Luxemburg hat seinen Gästen viel zu bieten: abwechslungsreiche Landschaften, eine bodenständige und dennoch raffinierte Küche, schmucke Städtchen voller Historie. Aber neben diesen touristischen Dauerbrennern sind es zunehmend die Spuren des Zweiten Weltkriegs, die Besucher ins Land locken. Aus Übersee kommen ganze Familien angereist, die sehen wollen, wo „Daddy“ oder „Grandpa“ vor über 70 Jahren gekämpft hat. Sie werden nicht enttäuscht: In beinahe jedem Dorf in Nordluxemburg und Südbelgien findet man Denkmäler, die an die „Battle of the Bulge“ (also die Ardennenschlacht) erinnern, es gibt hervorragende Museen zum Thema und zahlreiche Schlachtfelder zu entdecken. Wer davon möglichst viel in kurzer Zeit sehen möchte, bucht eine „Erinnerungstour“ und wird dann im Kleinbus von Ort zu Ort gefahren.

In unserer Gruppe sind keine Amerikaner, dafür Franzosen, Engländer und Deutsche. Auf dem „Luxembourg American Cemetery and Memorial“ wohnen wir jetzt bei brütender Hitze der Gedenkveranstaltung bei. Der Blick fällt auf das weitläufige Gräberfeld, zwischen den Kreuzen (und einigen Davidsternen) hat eine Ehrenformation der U.S. Air Force von der nahen Spangdahlem Air Base (Rheinland-Pfalz) Aufstellung genommen. Lieutenant General Richard M. Clark, Commander der 3rd Air Force in Ramstein, hält die Hauptrede. Er erinnert an den Mut und die Opferbereitschaft der jungen GIs, die 1944 Luxemburg befreiten und dann gegen Jahresende unvermittelt die deutsche Gegenoffensive parieren mussten.
 
Tiefe Verbundenheit

Einheimische und Amerikaner mögen in solchen Momenten die tiefe Verbundenheit nachempfinden, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit das beiderseitige Verhältnis ihrer Nationen prägte. Und es bleibt nicht aus, dass ich mich als Deutscher, obwohl mittendrin, hier nicht wirklich zugehörig fühle. Meine Großväter standen eben damals auf der anderen Seite.

Für die in Luxemburg gefallenen Wehrmachtsoldaten gibt es selbstredend keine Feier, aber immerhin einen Friedhof, die „Kriegsgräberstätte Sandweiler“. 10.900 Tote sind hier begraben, jeweils vier teilen sich ein steinernes Kreuz. Nicht alle tragen Namen, oft steht nur „Ein deutscher Soldat“ oder „Zwei deutsche Soldaten“ darauf. Von diesen Unbekannten sind zudem Hunderte in einem Massengrab beerdigt, das am Ende des Hauptweges liegt. Dort zu stehen „erschüttert“ unsere heutige Fremdenführerin „jedesmal wieder“, wie sie uns verrät.



Anschließend geht es ein paar Kilometer zurück in die Hauptstadt. Auf dem Besichtigungsprogramm stehen hier auch „normale“ Sehenswürdigkeiten, darunter die „Kathedrale unserer lieben Frau“, das Regierungsviertel sowie das 1923 errichtete Mahnmal „Monument du Souvenir“, von den Einheimischen nur „Gëlle Fra“ (Goldene Frau) genannt. Die Statue erinnert an die Luxemburger, die während des Ersten Weltkriegs freiwillig in der belgischen oder französischen Armee gekämpft haben. Weil sie zu einem Symbol für die Freiheit und Unabhängigkeit des Großherzogtums geworden war, wurde sie 1940 nach dem Einmarsch der Wehrmacht auf Anordnung des Gauleiters Gustav Simon von ihrem Obelisken gerissen. Luxemburg sollte „germanisiert“ werden, selbst Französisch zu sprechen war während der deutschen Besatzungszeit verboten.

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