Operation »Market Garden« 1944

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Diese bleibt zunächst unter deutscher Kontrolle. Die Gardetruppen erreichten Nimwegen am 19. September. Wenn sie ohne größeren Widerstand die Waal überquert hätten, dann wären sie gegen Mittag des nächsten Tages, also innerhalb von 72 Stunden in Arnheim gewesen. Aber es war schon dunkel am 20. September, als die US-Fallschirmjäger und britischen Panzerkräfte in einem riskanten gemeinsamen Angriff die Brücke in Nimwegen in Besitz nehmen. Ein Erfolg, der nur möglich ist, weil die Panzer des II. SS-Panzerkorps nördlich des Rheins den Deutschen nicht zur Hilfe kommen können. Sie müssen über die Rheinbrücke bei Arnheim vorgehen, die aber von den britischen Fallschirmjägern blockiert wird.

Operation »Market Garden« 1944 - Erfahrener Oberbefehlshaber

Infolge der Kenntnis der alliierten Operationspläne bleibt den Deutschen nicht verborgen, um was es strategisch bei „Market Garden“ geht – nach Umgehung des Westwalls mit Rechtsschwenk, schnelles Eindringen ins Ruhrgebiet und Kriegsbeendigung noch 1944. Mit Generalfeldmarschall Walter Model ist zudem ein erfahrener und kampferprobter Oberbefehlshaber zur Stelle. Mit gewissem Respekt in Offizierskreisen „Hitlers Feuerwehrmann“ genannt, gelang es ihm zuvor an der Ostfront mehrfach, kritische Situationen in den Griff zu bekommen. Nachdem seine erste Vermutung beim Anblick der landenden Fallschirmjäger vor seinem Kommandostand in Oosterbeek – er solle durch ein Kommandounternehmen entführt werden – nicht zutrifft, verlegt er sein Hauptquartier nach Terborg etwa 30 Kilometer östlich von Arnheim. Sofort übernimmt er persönlich das Kommando über das II. SS-Panzerkorps und lässt die Brücke von Arnheim nicht sprengen, wie Bittrich vorschlägt. Als überzeugter Nationalsozialist scheint Model noch an den „Endsieg“ zu glauben. In seinen Augen wird die Brücke für eine deutsche Gegenoffensive benötigt. Sämtliche verfügbaren Truppen werden – oft als Kampfgruppe provisorisch organisiert – zur Abriegelung des Vormarsches des XXX. britischen Korps nach vorn geschickt oder eingesetzt, um den durch „Garden“ entstandenen Korridor einzudrücken.

Hitler gibt der Bekämpfung der alliierten Operation absolute Priorität. Dafür lässt der „Führer“ Feldmarschall Model alle verfügbaren Luftwaffeneinheiten der Kampfregion unterstellen. Weiterhin werden alle Reserve- und Ausbildungseinheiten des Wehrkreises VI, unter anderem auch das II. Fallschirmkorps unter dem Kommando von General Eugen Meindl, in den Kampf geworfen. Die Panzereinheiten des Wehrmachtsbefehlshabers der Niederlande greifen als Divisionsverband unter dem Kommando des Leiters der SS-Schule in Arnheim, Generalleutnant Hans von Tettau, in das Geschehen ein. Der 20. September 1944 wird zum Schicksalstag der 1. britischen Luftlandedivision in Arnheim. Nach der Überquerung der Waal- Brücke bei Nimwegen stoppt die Garde-Panzerdivision nördlich des Flusses nach vier Kilometern gegen 20.00 Uhr. Später heißt es, sie sei zu erschöpft gewesen, um in der Nacht weiter vorzugehen. Nur 16 Kilometer entfernt läuft die Zeit für die Verteidiger an der Rheinbrücke von Arnheim ab. Bei Tagesanbruch am 21. September, als der britische Angriff weitergeht, müssen die Verteidiger der Brücke aufgeben. Nur noch 200 Mann stark und ohne Munition kapitulieren die Fallschirmjäger. Auch an diesem Tag gelingt es den Panzern nicht, den deutschen Widerstand zwischen Nimwegen und Arnheim zu brechen. Am 22. September lässt Horrocks seine 43. Infanteriedivision die Angriffsspitze übernehmen. Er hofft, die Infanterie würde da erfolgreich sein, wo Panzer versagen. Das vorderste Bataillon erreicht unter Schwierigkeiten in der nächsten Nacht den Deich am Südufer des Rheins. Die Stelle am Deich, an der sie ankommen, ist nicht die südliche Auffahrt der Arnheim-Straßenbrücke wie nach der Operationsplanung vorgesehen, sondern acht Kilometer südwestlich entfernt davon. Ihnen gegenüber liegt Oosterbeek. Dort haben sich die Reste der 1. britischen Luftlandedivision „eingeigelt“ und kämpfen um ihr Leben. Unter Deckung der 43. Infanteriedivision setzen britische und kanadische Pioniere mit ihren Booten über den Rhein und holen rund 2.000 Männer der 1. Luftlandedivision über den Fluss zurück.

Alliierter Fehlschlag

Am 26. September ist die Operation „Market Garden“ 1944 unter großen alliierten Verlusten endgültig gescheitert. Die Wehrmacht präsentiert sich, zur Überraschung der Alliierten, nochmals als „Meister“ der militärischen Improvisation. Die sich vermeintlich auf der Flucht vor der gegnerischen Materialüberlegenheit befindlichen Deutschen sind wesentlich präsenter, als die alliierte Feindaufklärung es für möglich gehalten hat.

TEXT: Jörg-M. Hormann

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