Operation »Market Garden« 1944

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Teile des Korps sollen zur Auffrischung in Richtung Deutsches Reich verlegt werden und sind daher im Abtransport begriffen. Sofort schaltet die Führung der Waffen-SS-Einheiten um SS-Obergruppenführer Wilhelm Bittrich von Verlegung auf Verteidigung und Angriff um. Die Panzerrohre drehen von der „6 Uhr“-Transportstellung auf „12 Uhr“. Nun treffen Panzer auf leicht bewaffnete Infanterie. Da richten auch die wenigen Pak, die mit den Lastenseglern landen, wenig aus. Was hier in den nächsten vier Tagen für die britischen Fallschirmjäger folgt, ist verzweifeltes Warten auf den Entsatz, härtester Häuserkampf, einsames Sterben und bittere Gefangenschaft. Landung im Abwehrfeuer Im Rahmen der zweiten Absprung- und Landewelle in Arnheim am 18. September setzen nochmals 126 „Skytrains“ jeweils 20 Fallschirmjäger ab und 270 Schleppflugzeuge der 62. und 46. Gruppe der Royal Air Force ziehen ihre „Hamilcars“ und „Horsas“ zu den Landezonen. Jetzt ist die Landung massivem Abwehrfeuer der inzwischen organisierten deutschen Einheiten ausgesetzt. Bei der dritten Welle am 19. September wird mit 114 C-47 die Masse der 1. polnischen Luftlandebrigade, dieses Mal in direkter Nähe bei der südlichen Rampe der Straßenbrücke, abgesetzt. Da ist die Lage bereits aussichtslos; sie können ihren englischen Kameraden auf der anderen Seite der Brücke nicht helfen. Von den westlich Arnheim gelandeten 10.095 Soldaten und 96 Geschützen der 1. Luftlandedivision erreichen nur 700 Mann und vier 6-Pfünder-Panzerabwehrkanonen das Angriffsziel der Division – die Brücke von Arnheim. Das dramaturgisch bearbeitete historische Geschehen gibt 1977 den Stoff für einen Spielfilm mit gleichen Namen und mit Starbesetzung ab. Der englische Originaltitel des Filmes lautet „A Bridge Too Far“, eine Bezeichnung, die wohl eher den Kern des Scheiterns der Operation „Market Garden“ 1944 ausdrückt.

„Sherman“-Panzer preschen vor

Stichwort „Garden“: Um 13.30 Uhr am 17. September, kurz nachdem die Luftlandungen begonnen haben, „brüllen“ 408 Geschütze des XXX. britischen Korps im belgischen Lommel los. Ihre Feuerwalze gilt den deutschen Stellungen der „Kampfgruppe Walther“ auf der gegenüberliegenden Seite des Schelde-Maas-Kanals. „Joe’s Bridge“, eine vor wenigen Tagen handstreichartig eroberte Kanalbrücke, ist der Ausgangspunkt der Garde-Panzerdivision. Die „Sherman“- Panzer der Irish Guards Group als Spitze preschen über die Brücke – in 48 bis 72 Stunden müssen sie in Arnheim sein. Doch schon nach wenigen hundert Metern bleiben sie zerschossen liegen. Aus gut gewählten Stellungen eröffnen deutsche 8,8-cm-Geschütze das Feuer auf die Panzer. Der „Schrecken aller Feindpanzer“ beweist einmal mehr seine Effizienz und fügt dem Gegner erste Verluste zu. 200 RAF-Jagdbomber werden angefordert, um die Geschütze zum Schweigen zu bringen. Dies ist symptomatisch für das taktische Vorgehen der Truppen des XXX. Korps. Wenn am Boden nichts mehr geht, muss die Air Force mit massivem Einsatz „aufräumen“. Doch diese Maßnahme ist nicht gerade zeitsparend. Und bei dieser Operation läuft die Uhr gnadenlos.

Die Operation „Garden“ verläuft von Anfang an unter außerordentlich harten und zähen Kämpfen. Das flache und tiefliegende Gelände in Holland zwingt Panzer und ihre Nachschubfahrzeuge auf die Straßen. Diese führen gleich Dämmen durch die überfluteten Felder. Alles, was sich darauf bewegt, liegt förmlich auf dem „Präsentierteller“ vor den Zieleinrichtungen der deutschen Kanoniere. Heftige Gefechte Ursprünglich als ein blitzartiger Vorstoß geplant, der die noch Anfang September nur kümmerlichen deutschen Verteidigungsstellungen hinwegfegen soll, zwingt dieser Angriff in der Praxis jedoch zu einer scheinbar endlosen Reihe von ungewöhnlichen und heftigen Gefechten. Ungewöhnlich, weil die Panzer aufgrund der Beschaffenheit des Geländes ihre Wirkung abseits der Straßen nicht entfalten können. Heftig, weil jeder Mann von Generalleutnant Horrocks bis zum jüngsten Gardesoldaten weiß, dass jede Stunde Verspätung die Hoffnung der Fallschirmtruppen auf Entsatz vermindert. Zu ihrem Glück haben die 82. und 101. Luftlandedivision der Amerikaner alle wichtigen, zugewiesenen Angriffsziele – abgesehen von einer Brücke, die noch von den Deutschen gesprengt werden kann – in ihrer Hand. So führt der „Luftlandeteppich“ die Garde- Panzerdivision über alle Wasserhindernisse zwischen ihrer Ablauflinie und Arnheim – mit Ausnahme der wichtigen Brücke, die den Fluss Waal bei Nimwegen überspannt.

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