Operation »Market Garden« 1944

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Bleiben wir bei der Trennung der Bezeichnungen „Market“ für die Luftlandeoperation bei den Brücken und „Garden“ für die Operationen auf der Vormarschstraße. Der gängige Begriff „Operation Market Garden“ für die alliierte Luftlandung, vermittelt den Eindruck einer Operationseinheit des Handelns aller beteiligten Truppen für ein bestimmtes Ziel. Doch das war keinesfalls so. Zurück zu Brownings Befehlsvergabe: Er geht von Süden nach Norden vor. Als erster ist Generalmajor Maxwell Taylor, Kommandeur der 101. US-Luftlandedivision, mit der Zuweisung seiner Absprungzone zwischen Eindhoven und Grave an der Reihe, gefolgt von Brigadegeneral James Gavin, der die 82. US-Luftlandedivision befehligt. Er hat mit seinen Männern die Brücken über die Maas Riskantes Unternehmen und die Waal bei Nimwegen zu nehmen und zu sichern, bis die Panzer der britischen Garde-Panzerdivision herankommen. Dann tippt Browning auf den nördlichsten Punkt des Operationsgebietes und wendet sich an Generalmajor Robert („Roy“) Urquhart, der die 1. britische Luftlandedivision führt: „Die Brücke von Arnheim“, sagt er knapp, „sie ist zu halten!“

Kurze Vorbereitungszeit

Urquhart hat das Kommando vor acht Monaten übernommen. Seine große Erfahrung und sein hervorragender Ruf als Infanteriekommandeur können nicht darüber hinwegtäuschen, dass er bisher über keine ausgeprägte „Luftlandepraxis“ verfügt, geschweige denn selbst schon einmal abgesprungen ist. In der nur einwöchigen Vorbereitungszeit bis zum Angriffsbeginn zeigen sich die ersten Schwachstellen des Operationsplanes. Besonders die Bereitstellung einer ausreichenden Menge von Transportflugzeugen, mit denen die Fallschirmjäger abgesetzt werden können und die die Lastensegler schleppen, stellt einen der Knackpunkte des Unternehmens dar. Die Menge der verfügbaren amerikanischen C-47 „Dakotas“ (US-Bezeichnung: Douglas C-47 „Skytrains“) reicht nicht aus, um alle Truppen der drei Landungsköpfe mit einem Überraschungsschlag abspringen oder landen zu lassen.

Ganz abgesehen davon, dass das amerikanische 9. Air Force Transportkommando auf der Britischen Insel – von dort aus starten die Maschinen – ihre Männer von der 82. und 101. Luftlandedivision bevorzugen, bedeutet das Absetzen in Wellen mit Tagesabstand das Scheitern jeder Überraschung – so geschehen mit der 1. britischen Luftlandedivision bei Arnheim. Da das Formationsfliegen bei Nacht für die jungen „Dakota“- Besatzungen ein zu großes Risiko darstellt und die Wartung der zurückgekehrten Maschinen nach Angaben der amerikanischen Seite zeitintensiv ist, startet nur eine Einflugwelle pro Tag.

Operation „Market” beginnt

Am 17. September um 09.30 Uhr läuft die Operation „Market“ mit dem Start der Lastenseglergespanne in England an. Sie benötigen etwa dreieinhalb Stunden bis zu ihren Landezonen in Holland. Die werden zwischenzeitlich von Fallschirmjägern als „Pfadfinder“, die rund 20 Minuten vor der „X-Zeit“ über den verschiedenen Landeund Absetzzonen abspringen, markiert. Westlich von Arnheim, gut zehn Kilometer von der Stadt und der Straßenbrücke über den Rhein entfernt, werden zwei Landebereiche für Lastensegler und eine Absprungzone für Fallschirmjäger gekennzeichnet. Da verstärkte deutsche Flugabwehr bei der Brücke vermutet wird, verbietet sich die Landung direkt an der Brücke. Diese Einschätzung stellt einen weiteren fatalen Fehler der Alliierten dar – dieses Mal infolge ungenügender Feindaufklärung –, denn dies ist nicht der Fall. Für die Soldaten der ersten Welle, die um 13.30 Uhr aus rund 160 Transportern abspringen und mit etwa 300 „Horsa“- und 13 „Hamilcar“-Lastenseglern landen, bedeutet der Kampfeinsatz zunächst einen Gepäckmarsch bis zum Ziel. Die Nordseite der Straßenbrücke, das heißt die eng bebaute Stadtseite, wird von Männern des 2. Fallschirmbataillons unter Oberstleutnant John Dutton Frost gegen 19.30 Uhr am Abend des 17. September erreicht. Doch die Masse der Luftlandesoldaten befindet sich in Einzelgefechte verwickelt noch Kilometer entfernt vom Brückenziel. Sie haben es mit Sicherungseinheiten des Hauptquartiers der Heeresgruppe B von Generalfeldmarschall Walter Model in Oosterbeek zu tun. Panzer gegen Infanterie Seinen Verbänden sind die Engländer sozusagen direkt vor die Füße gesprungen, hinein in die Deckungen des um Arnheim zusammengezogenen II. SS-Panzerkorps.

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