Operation »Market Garden« 1944

Operation »Market Garden«, 17. September 1944: Es sollte die Einleitung zum Sturm auf das Deutsche Reich sein. Doch die großangelegte alliierte Luftlandeoperation »Market Garden« entwickelt sich zur Katastrophe für die britischen Fallschirmtruppen.
Leichtes Ziel: Britische und US-amerikanische Luftlandetruppen werden im Rahmen des Luftlandeunternehmens © picture-alliance/akg-images
Gewaltiges Motorendröhnen in der Luft lockt an diesem Sonntagmittag des 17. September 1944, dem Tag der Operation »Market Garden« die Männer des Stabes der 1. Fallschirm-Armee vor die Türen ihres Gefechtsstandes im holländischen Wijchen nahe Nimwegen (niederländ.: Nijmegen). Zusammen mit ihrem Befehlshaber, Generaloberst Kurt Student, starren sie in den spätsommerlichen Himmel. Ketten von C-47 „Skytrains“ (RAF-Bezeichnung: „Dakotas“) und viermotorigen Bombern der Royal Air Force (RAF), die jeweils einen Lastensegler vom Typ „Horsa“ oder des größeren Typs „Hamilcar“ schleppen, fliegen in gut 500 Metern Höhe über sie hinweg – ihrem Ziel in nördlicher Richtung entgegen. Generaloberst Student, der „Schöpfer“ deutscher Luftlandetruppen, wird neidisch nach oben geschaut haben. Ein derart massenhafter und kraftvoller Auftritt „seiner“ Waffengattung ist von deutscher Seite nicht mehr möglich. Doch jetzt interessiert ihn vorrangig das Ziel der alliierten Luftlandeoperation. Einige seiner Fallschirmjäger durchsuchen das Wrack eines unweit abgeschossenen Lastenseglers der 82. US-Luftlandedivision. Bei einem gefallenen Offizier finden sie alle Befehle der laufenden alliierten Operation. Diese liegen wenige Stunden später auf dem Tisch von Student. Dadurch ist die deutsche Seite bereits seit Angriffsbeginn über die Pläne der US-Amerikaner und Briten im Bilde und kann darauf entsprechend reagieren.

Operation »Market Garden« 1944 - Überdehnter Operationsplan

Eine Woche zuvor: Am 10. September 1944, stehen drei Kommandeure von Luftlandedivisionen im Hauptquartier des Kommandierenden Generals des I. britischen Luftlandekorps (1st British Airborne Corps) vor einer großen Karte von Holland. Generalleutnant F.A.M. Browning erläutert den Plan, bei dem im Rahmen der Gesamtoperation von seinem Korps der Teil „Market“, die Eroberung und das Halten von Fluss- und Kanalbrücken, zu erledigen ist. Diese liegen in der allgemeinen Stoßrichtung des XXX. Korps der 2. britischen Armee, die den Operationsteil „Garden“ bewältigen soll. Das Korps stößt entlang des Verlaufs der Straße Eindhoven – Grave – Nimwegen – Arnheim Richtung Zuidersee vor. Für das schnelle Vorgehen müssen die Kanalbrücken über den Wilhelminakanal bei Eindhoven, über den Fluss Maas bei Grave, den Fluss Waal bei Nimwegen und über den Rhein in Arnheim (niederländ.: Arnhem) intakt zur Verfügung stehen. Die Wegnahme und Sicherung der Übergänge durch die alliierten Luftlandetruppen soll den Panzerverbänden und motorisierten Infanterieeinheiten der Bodentruppen des XXX. Korps auf einer Art „Luftlandeteppich“ den schnellen Weiter- und Durchmarsch bis zur Zuidersee ermöglichen. Von der Ausgangstellung der 2. britischen Armee am 17. September 1944 beim belgischen Lommel bis Arnheim, dem nördlichsten Operationspunkt, sind es rund 100 Kilometer. Selbst ein militärischer Laie wird bei dem Ansinnen, ein ganzes Korps mit einer Panzerdivision und zwei Infanteriedivisionen auf nur einer befahrbaren Straße vorgehen zu lassen, stutzen. Das kann nur im Verkehrschaos enden – selbst ohne feindliche Angriffe.

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